Gerald Reischl

14. Februar 2008 – Das MacBook Air im Zehn-Tages-Test

Bei der Sicherheitskontrolle am Wiener Flughafen wollte man es mir schon „abnehmen“ – als ich Ende vergangener Woche zum MWC-Handy-Kongress nach Barcelona abflog, hat mein MacBook-Air nicht nur die Blicke der Sicherheitsleute auf sich gezogen, die das Air mit „ist das das dünne Super-Notebook“ kommentiert haben, sondern auch von so manchem Mitreisenden gab es neidische Blicke. Die gab es dann auch im T-Mobile-Zelt auf dem Messegelände des MWC – manche wollten das silbermatt glänzende Alu-Air „nur berühren, nur angreifen“.
Das MacBook Air ist tatsächlich das schönste Notebook, ist stylisch, dünn (0,4 bis 1,95 Zentimeter) und auch relativ leicht (1,36 kg). Es ist in etwa so, wie wenn man eine etwas dickere Illustrierte wie etwa den „Stern“ in der Hand hat. Da ich das MacBook Air heute wieder retour geben musst, möchte ich meine Erfahrungen teilen. Wer sich das Teil kaufen will, sollte einiges vorher wissen. Ich habe die günstige 1699-Euro-Version getestet:
1,6 GHz, Intel Core 2 Duo Prozessor, 2 GB Arbeitsspeicher, 80 GB Festplatte.

Design: Das ist perfekt, man hat echt ein schönes Gerät bei dem die Designer rundum gearbeitet haben. Wenn man sich andere Notebooks anschaut, haben die Designer an der Rückseite mit der Gestaltung aufgehört.

Tastatur & Bildschirm: Die Tastatur ist wirklich sehr leichtgängig, es tippt sich wirklich komfortabel, der Bildschirm (hintergrundbeleuchtetes LED-Display) ist mit seinen 13 Zoll groß genug und auch sehr kontrastreich.

Mouse: Da ich ein Fan der Touchpads bin, bin ich freilich auch vom neuen Trackpad begeistert; allerdings dauert es eine Weile, bis man den Dreh heraußen hat. Das Trackpad funktioniert wie die Oberfläche des iPhones, also wie das Multitouch. Fotos lassen sich mit zwei Fingern drehen oder vergrößern, auch auf Webseiten kann man durch Auseinanderziehen von zwei Fingern die Schrift vergrößern.

Innenausstattung: Ich hatte die 80-GB-Variante des Air. Für mich groß genug, da ich es als mobiles Terminal verwendet habe. Das Air ist für mobile Arbeiter ideal, denn mehr als eine kleine Musiksammlung, eventuell ein paar Videos sowie Dokumente und Präsentationen hat man auf dem Air ohnehin nicht drauf. Die größere Version mit 1,8 GHz, Intel Core 2 Duo Prozessor, 2 GB Arbeitsspeicher und 64 GB Solid-State-Festplatte wäre mir um 2868 Euro einfach zu teuer.

Abstriche: Das Air hat kein integriertes DVD-Laufwerk, was die meisten wohl nicht stören wird. Dieses kann man sich aber von einem anderen Rechner ausleihen. Ich habe das auch probiert und es funktioniert an sich sehr einfach. Man muss auf dem anderen Rechner das mitgelieferte Programm “Sharing” installieren und kann vom Air dann via WLAN auf dieses Laufwerk zugreifen und etwa ein – wie ich es gemacht habe – Bildbearbeitungs-Programm installieren. Problem des nicht integrierten DVD-Laufwerks ist aber, dass es etwa auf Messen wie dem Handy-Kongress in Barcelona, Presseinformationen meist auf DVD gibt. Und nicht überall kann man sich so mir nichts dir nichts ein Laufwerk „ausleihen“. Zudem müsste man ja ständig die „Sharing“-Software-CD mithaben. Da ich kein Fan von extra mitzuschleppenden Notebook-Teilen bin, ist für mich das externe Laufwerk keine Option. Musik-CDs können nicht gerippt werden. Videos auch nicht angesehen, allerdings würde man sich die ohnehin auf das Air übertragen.

Steckplätze: Auch bei den Anschlüssen hat Apple gespart. Es gibt neben dem Stromlade-Steckplatz nur einen USB-Anschluss sowie einen Mikro-DVI- und Kopfhörer-Steckplatz; diese sind so hinter einer Klappe eingebaut. Das schaut zwar schön aus, allerdings passt – so habe andere Air-Nutzer festgestellt – nicht jedes Headset auf den USB-Platz. Mein Logitech-Headset hat jedenfalls gepasst. Unseren letzten Technik-Podcast auf Pressestunde.net hab ich mit dem MacBook Air aufgenommen, mein Kollege und Mit-Podcaster Georg Holzer war mit der Tonqualität zufrieden. Ein USB-Platz ist an sich ausreichend. Wer aber eine externe Nicht-Bluetooth-Maus verwendet, hat dann aber ein Problem. Leider gibt es auch keinen Firewire-Anschluss mehr, wer Aufnahmen eines Camcorders auf das Air übertragen will, braucht eine Cam mit USB.

Mobiles Breitband: Es gibt kein Einschubfach für eine Breitband-Karte, man kann nur ein USB-Breitband-Modem oder einen USB-Breitband-Stick verwenden. Das wiederum bedeutet, dass man dann einen USB-Verteiler benötigt, womit wir wieder beim Problem des Mitschleppens von Zubehör wären.

Schnittstellen: Mit WLAN 802.11n und Bluetooth sind die Schnittstellen ausreichend. Ein integriertes UMTS/HSDPA-Modul wäre noch von Vorteil gewesen. Aber man kann ja nicht alles haben.

Akku: Die Leistung des fix eingebauten Akkus ist – na ja. Im Test hielt er zwischen 2.5 und 3.5 Stunden, abhängig davon, was man grad mit dem MacBook macht. Beim Text schreiben hält er länger, schaut man sich Videos an, war der Saft schneller aus.

Conclusio: Obwohl im Air einiges fehlt, würde/werde ich es mir dennoch kaufen, weil es für mich ein ideales mobiles Gerät für unterwegs ist. Man muss sich aber der Schwächen bewusst und auf Eventualitäten vorbereitet sein, um nicht unangenehm überrascht zu werden.

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