Gerald Reischl

21. Februar 2008 – Die Polaroid-Kamera erlebt ein Revival - drei Wiener sind größte Polaroid-Händler im Web

bild-2.pngIn unserem vorletzten Technik-Podcast auf Pressestunde.net – den ich einmal die Woche gemeinsam mit Georg Holzer (Kleine Zeitung, TT) mache, haben wir wehmütig das Ende der Sofortbildkamera beklagt. Polaroid hatte bekannt gegeben, dass sie künftig keine Filme mehr herstellen wird.

Wehmut war bei mir deshalb dabei, weil eine Sofortbildkamera vor elf Jahren einmal ein wichtiger Begleiter auf einer Reise war.1997 war ich „attending journalist“ bei der „Camel Trophy“ – das war die drei wöchige Geländewagen-Ralley quer durch ein unbekanntes, fremdes Land. 1997 war die Mongolei der Austragungsort und ich durfte das österreichische Team begleiten, ich saß drei Wochen im Font des Teamwagens und fühlte mich nicht nur als Journalist, sondern half mit (zu siegen ;-) Albrecht Thausing, heute Architekt in Salzburg und Stefan Auer aus Vorarlberg gewannen Mongolia ‚97). Für mich war es aber keine Spazierfahrt, denn ich musste genauso wie die Teilnehmer im Zelt schlafen, das “Spatenklo” benützen, mich in Flüssen waschen und Fertignahrung (das man mit warmem Wasser aufkocht) essen etc.

Zu meiner Ausstattung zählte eine Polaroid-Sofortbildkamera, mit der ich Einheimische fotografierte, wenn wir in einem Dorf oder bei einem einzigen Zelt (Jurte) Halt machten. Fotos waren für die Bewohner damals etwas ganz Besonderes. Es passierte nicht einmal, dass ganze Verwandtschaften heran gekarrt wurden, damit ich sie ablichte. Ich bin mir sicher, dass in dem einen oder anderen Zelt heute noch ein Polaroid, wie man so sagt, hängt. Schade, dass künftig keine dieser Sofortbildkameras hergestellt werden.Das Ende der Sofortbildkamera beschert drei Wienern übrigens ein Riesengeschäft. Vor drei Jahren hatten sich Florian Kaps, Andreas Höller und Andreas Hentschel entschlossen, ihre Begeisterung für Polaroids auch im Web zu manifestieren und starteten mit dem mittlerweile größten Polaroid-Online-Store. Wer heute die Adresse www.unsaleable.com aufruft, gelangt in das größte Polaroid-Online-Shop der Welt. Derzeit gibt’s sogar eine „Warnung“ bevor sich die Startseite auftut, dass man keine 24-Stunden-Lieferungen garantieren könnte.

Und dass sich auch Analog und Digital verbinden lässt, zeigt das Trio mit der Online-Foto-Plattform Polanoid.net - auf diesem Portal kann man seine Polaroid-Fotos mit der Welt teilen – man muss sie vorher allerdings einscannen, was wiederum für die Qualität der Fotos spricht, weil ja nicht – wie mitunter bei Flickr – willkürlich (auch schlechte) Fotos hochgeladen werden.z-printer.jpg

Schade ists um die Polaroid-Kamera, aber es sieht so aus, als ob die Systematik ein Revival erlebt. Polaroid stellte das Konzept eines Druckers vor, der das Sofortbild-Konzept des 21. Jahrhunderts sein soll, den Z-Printer – Z steht für Zink; damit ist aber nicht das Metall Zink gemeint, sondern es ist eine Zusammensetzung aus Zero Ink. Der Z-Printer ist so groß wie eine Spielkarte. Das Besondere an der so genannten ZINK-Technologie soll sein, dass im Papier bereits die Farben enthalten (es befinden sich winzige Farbkristalle im Papier), die dann durch Hitze aktiviert werden. Ähnlich funktionieren auch die Thermosublimationsdrucker. Der Ausdruck eines Bildes dauert etwa eine Minute. Der Z-Printer soll noch heuer für umgerechnet 150 Euro in den Handel kommen und einen USB-Anschluss haben und Bluetooth verfügen. Ich persönlich bin ja überzeugt, dass – wenn man sich den Z-Printer näher anschaut – bald auch eine Digicam eingebaut sein wird. Dann haben wir die Polaroid-Kamera des 21. Jahrhunderts.

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