Ihr könnt euch vorstellen, dass ich vor etwa zwei Wochen ziemlich überrascht war, als ich eine Einladung von Google zum “EMEA Google Press Day” in Zürich erhalten habe. Obwohl der Titel meines neuen Buchs “Die Google-Falle” erahnen lässt, dass es sich nicht um eine Schmeichel-Lektüre handelt, hat man mich zur Eröffnung der zweitgrößten (von 12) Google-Niederlassung nach dem Google-Campus in Moutain-View eingeladen. Anfangs war ich skeptisch, aber es hat sich ausgezahlt, sich “Google Zurich” anzuschauen. Etwa hundert Journalisten aus dem ganzen EMEA-Raum (Europe, the Middle East and Africa) waren eingeladen worden. Für viele, die noch nie in Moutain View waren, und das waren fast alle, war das natürlich etwas Besonderes, denn wie in Mountain View auch, ist Google Zürich ein Schlaraffenland mit der Devise “alles gratis”. Bevor man uns in 15er-Gruppen eine halbe Stunde durch das Gebäude lotste, gab es einige “Tech Talks”, also Vorträge, in denen man Stimmung für Google machte und zeigen wollte, wie gut man nicht ist - zu den eigenen Mitarbeitern, zu den Usern und überhaupt. Ich musste schmunzeln; die angestellten Ingenieure und “Vice-Presidents” glauben nämlich wirklich, dass Google eine gute Firma ist - dass es anders ist, beweise ich mit Fakten in meinem Buch (mehr darüber Mitte kommender Woche).Vertreter der verschiedenen EMEA-Google-Zentralen zeigten uns dann kurz, was wo entwickelt wird. Neues war nicht dabei, sieht man davon ab, dass es für “Britney Spears” 800 verschiedene Schreibweisen gibt, die das automatische Korrektur-System “Meinten Sie” kennen muss.
Nach dem Essen in der Kantine - das Essen dort ist wirklich hervorragend und kann durchaus mit der Küche in Vier-Stern-Hotels mithalten (Shrimps-Cocktail, Steaks, frisch gebratener Fisch, eine riesige Salatauswahl) - wurde uns das Gebäude gezeigt.Ein wirklich interessanter Bau, eine noch interessantere Ausstattung. In die Kantine geht zum Beispiel auch eine Edelstahlrutsche, mit der man ganz rasch “bei großem Hunger” vom ersten Stock direkt in das Buffet im Erdgeschoß gelangt. Es gibt ein halbes Dutzend anderer “Bars” (ohne Alkohol), in der es immer andere Snacks gibt - von Schokobananen bis zu getrockneten Früchten. In einem der Stockwerke gibt es den “Game Room”, das Spielezimmer mit Billard, Flipper und einem mit Kunstrasen ausgelegten “grünen Zimmer” - in das führt direkt aus dem oberen Stockwerk direkt eine Stange, wie man sie aus US-Feuerwehr-Zentralen kennt. In dem grünen Zimmer werden Guitar Hero oder verschiedene Wii-Spiele gespielt. Auch ein absolutes Ruhezimmer gibt es, in dem Handys verboten sind - in diesem sind die Wände einige Aquarien, man liegt auf bequemen Liegen oder in einer mit Schaumstoffteilen ausgepolsterten Badewanne. Die Bibliothek wiederum ist mit einer Foto-Tapete ausgestattet, auf der Bücher abgebildet sind, in einem Kamin brennt “virtuelles Feuer”.
Eine Besonderheit sind aber die kleinen Gesprächsräume - also so was hab ich noch nicht gesehen und ist für mich ein Beweis, dass Google wirklich anders ist: Alte Gondelkabinen - in verschiedenen Stilen, von Alm-Style mit Edelweiss bis Graffiti - Kokon-artige Gebilde oder Konferenz-Kapseln, die an Forschungsstationen in der Antarktis erinnern. Ich habe auf Flickr einige Fotos zusammen gestellt, aufgenommen mit meinem Fotohandy. Google ist wirklich anders. Vieles ist aber Fassade.
8. März 2008 – In der Höhle des Löwen - Besuch im neuen Google-Zentrum in Zürich
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