Als einer von elf europäischen Journalisten war ich diese Woche „Zeuge“, wie Steve Jobs im Moscone Center in San Francisco das neue „iPhone 3G“ vorgestellt hat. Er machte es ziemlich spannend, weil er erst nach fast eineinhalb Stunden das iPhone präsentierte…Ich hatte mir ehrlich sogar Sorgen gemacht, dass er es gar nicht vorstellt und ich umsonst in die USA gereist bin. Denn vor der iPhone 3G-Vorstellung stellten zehn Entwickler neue Applikationen für das iPhone her – von Spielen über medizinische Anwendungen (3D-Körperscan) bis hin zu einer Applikation, die aus einem iPhone ein beliebiges Musikindustrie macht – auf dem Display wird eine Klavier-Tastatur eingeblendet, ein Schlagzeug, die Saiten einer Bassgitarre etc. – Bin gespannt wann es die erste iPhone-Band geben wird. Zwar gibt es schon die ersten Pianisten, aber noch keine Band…
Als es aber dann soweit war und Jobs das iPhone 3G zeigt, gab es, wie bei Apples Veranstaltungen üblich, ein Gejohle und Applaus im Saal, das mich immer wieder an die Reaktionen erinnert, die ein Prediger in einer dieser amerikanischen Kirchen-TV-Shows auslöst. Eine Jobs-Keynote muss man einmal erlebt haben, ist schon was eigenartig Besonderes…![]()
Zurück zum iPhone 3G – endlich hat es UMTS und HSDPA sowie GPS – aber leider keine bessere Kamera. Mit 2 Megapixel Auflösung ist die integrierte Kamera eher unterdurchschnittlich. Eine 3- oder gar 5 Megapixel-Cam wäre zwar besser gewesen, dann hätte aber Apple nicht den angestrebten Preis für die 8GB-Variante von 199 Dollar halten können. Denn, und diesen Satz haben sich alle Journalisten notiert: „Das iPhone wird weltweit nicht teurer als 199 Dollar sein“, sagte Jobs. Das wären umgerechnet etwa 150 Euro für die 8-GB-Variante. Die 16-GB-Version des iPhones 3G wird 229 Euro aufwärts kosten.
Der Hype geht jetzt erst richtig los
Schon um das alte iPhone hat es einen Mega-Hype gegeben, das neue wird diesen Hype noch verstärken. Mit der ersten iPhone-Variante, von der weltweit sechs Millionen Stück verkauft worden sind, hat Apple Erfahrungen auf dem Handy-Markt gesammelt (etwa, dass die Exklusivitäts-Kooperation mit einem Betreiber nicht sehr sinnvoll ist, will man große Mengen des Handys an Frau und Mann bringen, auch, dass in Europa die Handy-Uhren ein wenig anders gehen als in den USA). Mit dem neuen iPhone 3G will es Steve Jobs aber wissen und ein Gerät bringen, das weltweit ein Renner werden soll. In 70 Ländern wird es das iPhone 3G zu kaufen geben, mit dem es Jobs aber nicht nur auf andere Handy-Hersteller abgesehen hat, sondern auch auf Spiele- und Navi-Hersteller sowie auch auf Blackberry-Nutzer.
Der Preisverfall
Von 599 auf 199 Dollar wurde der Preis gesenkt, ein Preisverfall, der in der Handy-Branche unüblich ist. Aber Apple will den Massenmarkt erreichen, das iPhone zu einem Standard-Handy machen, das für jeden erschwinglich sein soll. (Motorola hatte seinerzeit beim Rasierklingen-Handy Razr kräftig zulegen können, weil es schon ab 99 Euro angeboten worden war.) In Österreich wird es das iPhone 3 G ab 119 Euro geben – bei T-Mobile und einem Zwei-Jahres-Vertrag von 39 Euro im Monat. One wird das Handy um 149 und 229 Euro (16 GB) anbieten. Monatlich zahlt man im Schnitt dann etwa 35 bis 39 Euro – alles inklusive. (außer Gespräche ins und im Ausland, versteht sich.) Mehr Infos gibt es auf den Webseiten von One und T-Mobile.
Das Navi-iPhone
Wie gesagt will Apple Konsumenten aber nicht nur mit dem Preis überzeugen, sondern sie sollen auch von den Funktionen begeistert sein:Das integrierte GPS-Modul verwandelt das iPhone in ein echtes Navigationsgerät. Freilich gibt es auch mit Handys wie dem Nokia N95, SonyEricssons W760i oder Garmins nüvifone Mobiltelefone mit integriertem GPS, der Unterschied: Das iPhone-Display ist so groß wie jenes von herkömmlichen Navigationsgeräten wie etwa das Garmin nüvi 250 oder TomTom One und lässt sich auch sehr einfach und logisch bedienen. Mit der integrierten Tracking-Funktion – auf Google Maps sieht man, wo man sich gerade durch eine Stadt bewegt – eignet es sich auch als virtueller Stadtführer.
Das Game-iPhone
Apples Handy wird vor allem als Multimedia-Terminal gesehen, mit dem man sich Videos anschauen oder Musik anhören kann. Mobile Spielkonsole war es bislang aber noch keine. Das hat sich auf der WWDC geändert, denn einige Entwickler haben auf das iPhone zugeschnittene Games vorgestellt, die sogar eine Sony PSP oder einen Nintendo DS zusetzen könnten. Sega etwa hat mit der Geschicklichkeits-Spiel-Serie „Super Monkey Ball“ eine iPhone-Version des Games präsentiert (9,99 Euro) und die im Apple-Handy integrierten Sensoren integriert. Eines der Hauptmerkmale des iPhone ist der Beschleunigungssensor, der sich die Lage des Handys merkt und Drehungen erfasst. Mit Hilfe dieses Sensors wird etwa ein Bild automatisch ins Querformat gedreht, wenn man das iPhone quer hält. Diese Funktion spielt auch bei Monkey Ball eine Rolle.Pangea Software hat mit dem „Cromag Ralley“ eine Steinzeit-Ralley mit Fahrzeugen a la Fred Feuerstein vorgestellt. Das iPhone selbst wird durch den Beschleunigungssensor zum Lenkrad. Und der Spiele-Hersteller Digital Legends Entertainment hat ein 3D-Spiel präsentiert, bei dem man durch Schütteln des iPhones Hindernisse überwindet – nach dem Vorbild von Nintendo Wii.
Das Blackberry-iPhone
Mit dem neuen mobileMe-Service, der den .mac-Dienst ablösen wird, will Apple auch BlackBerry-Nutzer zum Umstieg auf das iPhone bewegen. Bei mobileMe ist ein Push-eMail-Service integriert, ist man registriert, bekommt man eMails wie bei BlackBerry zugestellt. Auch Termine aktualisieren sich automatisch und Fotos kann man auch auf dieses Portal laden, das sich wie eine Desktop-Anwendung bedienen lässt. Über mobileMe kann man verschiedene Rechner, ob Mac, PC oder Handy verknüpfen und sie punkto Termine und eMails immer am aktuellen Stand halten. Das Service kostet 99 Euro im Jahr und beinhaltet 20 GB Speicherplatz. RIM, Hersteller des BlackBerry und Entwickler des BlackBerry-Push-eMail-Dienstes wird Apples Vorstoß nicht ganz schmecken…
