Vorausschickend möchte ich sagen, dass ich kein Kunde von „Drei“ bin, aber an „Drei“ sollten sich die großen Betreiber, also T-Mobile oder die Vodafone-Group ein Beispiel nehmen.
Warum? Hier ist die Antwort. Diese Woche gab es von T-Mobile eine Pressekonferenz, bei der die neuesten Roaming-Tarife präsentiert wurden. In der anschließenden Presseaussendung lockte man dann mit der Betreffzeile: T-Mobile senkt Preise für Daten-Roaming um bis zu 75 Prozent. Was viel klingt, ist genau genommen nichts. Finger weg, kann ich da jedem nur raten, der vermeiden will, dass er nach seiner Auslandsreise mit einer hohen Telefonrechnung konfrontiert ist.
Die „sensationelle“ 75-prozentige Tarifsenkung bedeutet, dass Kunden, die mit ihrem Handy oder ihrer Datenkarte bzw. Daten-USB-Stick im Ausland E-Mails abrufen, hochladen oder einfach nur im Web surfen, pro anfallendem Megabyte 2 Euro zahlen müssen.
Das ist meiner Meinung nach ein Mega-Nepp.
2 Euro pro Megabyte bedeuten nämlich folgendes:
+ Wer sich – sagen wir Italien – einen Song auf iTunes downloadet, der im Schnitt vier Megabyte groß ist, zahlt im Ausland zusätzlich zu den 99 Cent, die das Lied kostet, 8 Euro für das Downloaden.
+ Wer seine – sagen wir Griechenland - E-Mails downloadet und etwa ein Mail empfängt, dem zwei Fotos mit je 3 MB Größe angehängt sind, zahlt 12 Euro.
+ Wer – in Portugal – eine halbe Stunde im Web surft, und sich im Ausland informieren will, was auf den verschiedenen Nachrichtenseiten geschrieben steht, wird – abhängig von der Größe der Webseiten (wie viele Fotos sind eingebunden, wie viel Text etc.) – auch ziemlich zur Kasse gebeten.
Die heimischen Betreiber rühren ja fleißig die Werbetrommel für das mobile Breitband. 5G Download-Volumen bekommt man schon um maximal 30 Euro pro Monat – die Tarife von A1, T-Mobile, One und Drei schwanken da zwischen 20 und 30 Euro. Wer im Ausland 5 Gigabyte downloaden würde, zahlt 10.000 Euro. Richig gelesen: 10.000 Euro würde T-Mobile jemandem verrechnen, der mit seinem Notebook samt Datenkarte während seines Urlaubs 5 GB down- oder uploadet. Ok, 5 GB sind viel. Sagen wir, es sind nur 500 MB in den zwei Urlaubswochen. Dann fallen eben „nur“ 1000 Euro an.
Mobile Informationsgesellschaft?
Ich kenne einige Beispiele von Notebook-Besitzern, die dachten, sie könnten ihre Auslandsreise zum Arbeiten nutzen. Für mich ist das einer der größten Widersprüche der so genannten Mobilen Informationsgesellschaft und des Slogans „Immer und überall online“. Die Tarife setzen die Grenzen. Was aber nicht sein müsste, nicht sein dürfte.
Und nun sind wir bei – wie schon eingangs erwähnt – Drei. An Drei sollten sich die Großen insofern ein Beispiel nehmen, weil Drei mit dem Tarif „3LikeHome“ etwas anbietet, was vorbildhaft ist: In Ländern, in denen Drei vertreten ist, ob Italien, Großbritannien, Hongkong oder Australien, zahlt man das Gleiche wie wenn man in Österreich telefonieren bzw. mit dem Notebook surfen würde. Das nenn ich kundenfreundlich, das nenne ich transparent und das nenne ich fair.
Touristen als Melkkühe
Ich frage mich aber, warum es nicht T-Mobile schafft, die weltweit vertreten sind, einen solchen Tarif anzubieten? Warum hat die Vodafone-Gruppe, der A1 angehört und die ebenfalls global tätig sind, nicht einen solchen Tarif im Programm? Warum ziert sich Orange, der One angehört, einen solchen Tarif anzubieten? Weil es ihnen Umsatzeinbußen brächte. Weil Roaming, ob Telefon oder Datenroaming, viel Geld bringt. Bei uns in Österreich kann man ja ob der Billig-Tarife keinen Gewinn mehr machen. Die Einnahmen macht man mit ausländischen Gästen, die im Land telefonieren und mit den eigenen Leuten, die das Handy im Ausland nutzen. Ich gebe der EU-Kommissarin Viviane Reding Recht, wenn sie die Betreiber kritisiert und diese zu günstigen Roaming-Tarifen verpflichten will.
Internet-Cafes sind günstiger
Jene, die im Ausland nicht auf Web oder E-Mails verzichten wollen/können, sollten in ein Internet-Cafe gehen oder in das Business-Center des Hotels. Oder wie wäre es einmal damit, den Urlaub dazu zu nutzen, gänzlich auf Handy oder E-Mail und Web zu verzichten – ist ziemlich erholsam, auch wenn man sich die ersten drei Tage daran gewöhnen muss…
