Gerald Reischl

10. Juli 2008 – Das neue iPhone 3G - so gut ist das “Jesus-Phone” wirklich

Die Auflagen von Apple waren ziemlich streng. Die Betreiber mussten sich vertraglich verpflichten, dass kein iPhone 3G vor dem offiziellen Verkaufsstart am morgigen Freitag, 0 Uhr, an Journalisten ausgehändigt wird, bzw. dass darüber ein Wort geschrieben wird. KURIER und ORF sei Dank, ist es mir dennoch gelungen, eine schware 8 GB-Version des iPhone 3G zu ergattern. Seit Mittwoch testen wir das neue Apfel-Handy, das von der Blogger-Gemeinde als “Jesus-Phone” bezeichnet wird, um einen Testbericht schreiben, bzw. das iPhone im „Hightech-Corner“ vorstellen zu können.

Live dabei

Ich war ja Anfang Juni auch in San Francisco dabei, als Steve Jobs bei der WWDC das neue iPhone 3G präsentiert und uns Journalisten den Wund wässrig gemacht. Dementsprechend groß war die Erwartungshaltung. Mein erstes iPhone (ein Testgerät von T-Mobile) habe ich nach einigen Wochen wieder zurück geschickt – weil es meinen Anforderungen nicht entsprochen hat. Da es mir vor allem um Datengeschwindigkeit beim Surfen und eMail-Downloaden geht, war für mich das „alte“ iPhone eher nicht das geeignete Gerät.

Was sind also die Merkmale des neuen iPhone 3G:

Das Surf-iPhone

Das iPhone 3G wurde auf den europäischen Standard angehoben. Die alte Version war langsam, beherrschte nur EDGE, also einen Technologie-Standard, der in Europa eigentlich schon seit Jahren überholt war. Das neue iPhone 3 G beherrscht endlich auch UMTS bzw. HSDPA – das bringt raschere Download-Geschwindigkeit – bis zu 7,2 Mbit/sec.
Eine Webseite lädt sich in nur 10 bis 30 Sekunden…das ist bis zu fünf Mal schneller als beim alten iPhone. Das stimmt auch, allerdings hatte mein Gerät ein paar Empfangsschwierigkeiten innerhalb von Gebäuden, was ich bei meinen anderen UMTS-Phones nicht bemerkt habe. Kann sein, dass es daran liegt, dass es eine Vorversion des iPhone 3G war.

Das Navi-iPhone

Praktisch ist die Navigations-Funktion. Da ein GPS-Modul integriert ist, kann man mit dem neuen Apple-Handy auch durch Stadt und Land navigieren. Aufgefallen ist uns, dass es ein wenig langsamer/träger reagiert als herkömmliche Profi-Navis. Angezeigt wird die Route übrigens auf Google Maps.

Das iPod-Phone

Die iPod-Funktion funktioniert wie beim alten Gerät, neu ist, dass die integrierten Lautsprecher besser geworden sind und dass man auch andere als diese weißen Kopf- bzw. Ohrhöhrer ans Gerät anstecken kann. Beim alten iPhone konnte man nur die weißen Headsets verwenden, weil sich der Anschluss im Gehäuse versteckt hatte. Neu ist, und das ist eine Besonderheit, dass man sich Songs direkt vom iTunes-Store downloaden kann – vorausgesetzt man hat eine 3G-Verbindung oder befindet sich in einem drahtlosen Internet-Netzwerk.
Ein Manko ist wiederum, dass das iPhone 3G kein Bluetooth stereo versteht – man kann zwar ein drahtloses Bluetooth-Headset anschließen, allerdings wird die Musik nur Mono übertragen.

Das Akku-Problem

Bei all den Funktionen stellt sich natürlich die Frage nach der Akku-Leistung. Die ist eines der Probleme, die alle Multimedia-Handys haben. Wer das iPhone 3G normal nutzt, dann hält der Akku einige Tage, wenn man aber das iPhone 3G intensiver nutzt, surft, Musik hört, Fotos schießt etc. dann ist nach maximal 4 Stunden der Saft weg….dann muss es direkt an die Steckdose oder an einen Computer, weil es keinen Wechselakku hat…Ein Tausch des Akkus kostet übrigens etwa 70 Euro….
Wie siehts mit der Foto-Funktion aus? Integriert ist nur eine 2-Megapixel-Cam – ok, es kommt nicht auf die Megapixel an, aber die Bilder sind schlechter als jene von guten Fotohandys wie einem Nokia N95 oder SonyEricsson K850i. Abgesehen davon, dass eine 3- oder 4-MP-Cam mit gutem Bildverarbeitungschip dem iPhone 3G ganz gut getan hätte (aber dann hätte Apple wohl nicht den Preis halten können), vermisst man die Videofunktion. Für mich nicht unbedingt notwendig, allerdings wäre es eine logische Funktion in einem Multimedia-Gerät.
Dass auch MMS nicht funktionieren, finde ich schade. Aber man kann ja Bilder als Attachment verschicken…

Der App Store

Etwas wirklich Innovatives ist der Application Store, bzw. App Store wie Apple dazu sagt. Hier kann man sich Zusatzprogramme auf das iPhone 3G laden….das können Spiele sein, Übersetzungs-Programme oder etwa eine Klavier-Funktion….Zum Start des Applikation-Stores gibt es ein Viertel davon gratis. Ich gehe mal davon aus, dass es in den kommenden Wochen und Monaten viele Zusatzprogramme im Angebot geben wird, weil ja jeder Entwickler die Entwicklersoftware für 100 bzw. 300 Euro kaufen und Lösungen entwickeln kann. Er ist mit 70 Prozent umsatzbeteiligt.

PRO & CONTRA

PRO: 3G (UMTS/HSDPA), integriertes GPS, besserer Sound der integrierten Lautsprecher, besserer Headset-Anschluss, Direkt-Download von Musik auf das iPhone 3G, man kann viele eMails auf einmal löschen, man verschiedene eMail-Konten verwalten.

CONTRA: Nur eine 2-MP-Cam, keine Videofunktion, kein Bluetooth-Stereo, etwas träges Navi, keine Sprachsteuerung, kein Flash, kein Java, keine selbst wechselbare Batterie, kein MMS

Kann man es empfehlen?
Es ist kein schlechtes Gerät und geht in die richtige Richtung. Allerdings ist es gewöhnungsbedürftig. Es hat einen Touchscreen, einen berührungsintensiven Bildschirm…wer zu große Finger hat, wird sich schwer tun. Zudem gibt es Menschen, die lieber echte Tasten haben, wie etwa bei diesem Communicator oder dem neuen X1 von SonyEricsson oder den HTC Touch Diamond (Touchscreen) bzw. HTC Touch Pro (Touchscreen & Tastatur).

Die Preise in Österreich
T-Mobile und One bieten das iPhone 3G an, ab 99 Euro im Monat, abhängig ob es die 8 GB- oder 16-GB-Variante ist und welchen Tarif man nimmt. Die belaufen sich auf 35 bis 55 Euro. T-Mobile gewährt den ersten 10.000 Kunden einen Rabatt auf die Grundgebühr. Der Verkauf startet heute/morgen 0 Uhr. One verkauft Freitag von 0 bis 2 Uhr früh die ersten iPhones 3G

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