In den vergangenen zwei Wochen habe ich die Chefs der vier österreichischen Netzbetreiber interviewt. Die vier Interviews sind am Samstag unter dem Titel „Vierkampf im verrücktesten Handyland“ im KURIER erschienen. Die Gespräche mit Hannes Ametsreiter (A1), Robert Chvatal (T-Mobile), Michael Krammer (Orange) und Bert Thoma (Drei) waren teilweise ziemlich spannend, weil ich auch „zwischen den Zeilen“ lesen bzw. interpretieren konnte. Ich wage daher eine Prognose für das Handyland Österreich anzustellen. Da das Web ja nichts vergisst, kann man mir spätestens 2012 sagen, ob ich recht hatte oder nicht…
Österreich gilt ja als Handy-Paradeland schlechthin, es gibt ja wenige Länder, in denen die Tarife derart im Keller sind, in dem vier Betreiber um acht Millionen Kunden (ok, da wären die Babys auch einberechnet), also etwa 6,4 Millionen Kunden (ab 6 Jahren) kämpfen. Uns Konsumenten kann der Wettstreit ja recht sein, weil wir dadurch günstiger telefonieren; ob er aber auch gesund ist für die Branche – durch weniger Einnahmen geht die Innovationskraft verloren, weil man weniger Geld für Neuentwicklungen hat; - ist wohl auch unbestritten. Nein, ich habe kein Mitleid um die Branche, sie dürfte wohl noch ausreichend Gewinne erzielen, wenn man das Werbebudget und das Sponsoring betrachtet. Aber wie es Drei-Chef Bert Thoma anmerkte: Unterm Strich ist die Branche rot, vor allem sein Unternehmen. Und daher wird sich die Branche ändern. Ich gehe davon aus, dass wir 2010, spätestens 2012 nur noch drei Betreiber im Land haben. Einer wird von der Bildfläche verschwinden und das wird, das wage ich zu behaupten, der jüngste und kleinste, also Drei sein.
Wie könnte die Handy-Landschaft 2010/2012 aussehen. Ich habe mir da folgende Szenarien überlegt und auch eine Wahrscheinlichkeit „errechnet“.
Szenario 1: Drei bleibt Drei - Wahrscheinlichkeit: 0 %
So innovativ der jüngste Betreiber auch ist, es fehlt an Umsätzen. Drei wird mit seinen derzeit 600.000 Kunden nicht zum vierten Big Player werden und auch keine Gewinne einfahren. Die Geduld des Eigentümers hat Grenzen und die endet spätestens 2012.
Szenario 2: A1 kauft Drei - Wahrscheinlichkeit: 5 %
Die Mobilkom bzw TA könnte sich Drei zwar leisten, allerdings würde der Regulator (RTR) diesen Deal nicht genehmigen. Man kann dem Martkführer nicht noch stärker machen. Obwohl Drei mit A1 kooperiert – dort wo man kein Drei-Netz hat, telefoniert man über A1. Aber das ist reines Geschäft, ist kein Zeichen für eine gewisse Annäherung oder Nähe.
Szenario 3: T-Mobile kauft Drei - Wahrscheinlichkeit: 25 %
Was durchaus möglich erscheint, hängt aber von zwei Komponenten ab: Erstens müsste die Mutter Deutsche Telekom dem Deal zustimmen und zweitens wiederum die RTR – was ich aber ob der Übernahme telerings durch T-Mobile im August 2005 als eher unwahrscheinlich halte; einen zweiten Betreiber wird T-Mobile in Österreich nicht kaufen dürfen.
Szenario 4: Orange kauft Drei – Wahrscheinlichkeit 75 %
Das ist für mich die wahrscheinlichste Variante, was aber nicht mit der Farbe Orange zu tun hat, die in der CI beider Betreiber vorkommt; Dieser Deal von langer Hand vorbereitet. Ich gehe nämlich davon aus, dass Hutchison 3G im Gesamtpaket verkauft wird – alle Drei-Niederlassungen auf einmal. Drei ist defizitär, machte im abgelaufenen Jahr zwar ein positives Ergebnis, das ist allerdings nur auf den Verkauf von Hutchison 3G Australia zurückzuführen. Da Hutchison-Whampoa-Chef Li Ka-shing sein Gesicht bewahren muss, wird es in einem ersten Schritt zu einer internationalen Beteiligung eines Betreibers (Orange, T-Mobile, Vodafone etc.) an Hutchison 3G kommen, in weiterer Folge dann zu einem Management-Buyout und zur Komplettübernahme. Ich glaube, dass Orange da die besseren Karten hat, bzw. das größere Interesse, man ist voll auf Expansionskurs – dieses Gefühl hatte ich, als ich den weltweit für Mobilfunk zuständigen Orange-Vicepresident Olfa Swantee interviewte.
Szenario 5: T-Mobile und Orange fusionieren – Wahrscheinlichkeit 10 %
Es gibt derzeit weder von T-Mobile noch von Orange Anzeichen einer Annäherung. Zwar hat T-Mobile-Chef Robert Chvatal mir gegenüber gemeint, dass er an Kooperationen interessiert sei, aber mir scheint, dass er da eher eine Kooperation mit der Mobilkom anstrebt – Basisstationen-Sharing. Hier müsste aber wieder die Mobilkom mitspielen, was ich wiederum ein wenig bezweifle. Ich rechne nicht damit, dass Orange mit T-Mobile fusionieren wird (wie in GB), noch wird T-Mobile Orange kaufen, wie in Holland 2007.
Ich könnte noch weiter spekulieren, denn ich gehe auch davon aus, dass T-Mobile oder Orange ins IPTV-Business (Internet Protocol TV a la aonTV) einsteigen, zum Kabelnetzbetreiber werden. Vor allem Orange hat hier gute Karten, immerhin ist Orange der größte IPTV-Anbieter in Europa. Es wäre also nur logisch, dass Orange auch in Österreich so was wie OrangeTV anbietet – und das setzt wiederum voraus, dass man sich einen Kabelnetzbetreiber zulegt. Die logische Schlussfolgerung überlasse ich meinen Lesern…
