Am „Krampustag“ stellte sich Google mit einer besonders netten Überraschung ein, künftig werde man, so gab der Suchmaschinengigant auf seinem Unternehmensblog bekannt, alle Suchanfragen personalisieren. Nicht nur von jenen Internet-Nutzern, die sich bei Google registriert haben, sondern auch jene, die glauben, „anonym“ ihre Suchanfragen in den Suchschlitz einzutippen, wird eine Suche zugeordnet und ausgewertet. Interessantes Detail: Die Personalisierung der Suchanfragen erfolgt automatisch, wer das nicht will, muss diese Funktion deaktivieren.
Bei der Personalisierung greift Google auf die Such-Historie der vergangenen 180 Tage zurück, weiß also genau, was jemand Anfang Mai in seinen Computer getippt hat. Ein „anonymes Cookie im Browser“ spielt dabei den kleinen Spion. Dass Google genau so agiert, wird schon seit geraumer Zeit vermutet, wurde aber von Google immer vehement bestritten. Auch Datenschützer kritisieren Googles hinterlistige Vorgangsweise. Zurecht, wenn man die Funktion genauer betrachtet. Denn sie ist automatisch aktiviert. Die Nutzer werden nicht vorher gefragt – im Fachjargon Opt-in bezeichnet -, sondern werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie müssen ihr Recht auf Opt-out, also aktiv die Deaktivierung des Dienstes beantragen. Wer nicht will, dass Google die Infos sammelt, muss die Funktion im Menüpunkt „Webprotokoll“ (zu finden unter „Sucheinstellungen“) deaktivieren.
Die Vorgangsweise ist Google-typisch. Auch bei der Buch-Digitalisierung hat Google vorher Bücher gescannt und dann um Erlaubnis gefragt, ob sie die Daten verwenden dürfen. Wenn nun ein Gericht Google verbietet, die eingescannten Buchtitel online stellen zu dürfen – glaubt einer wirklich, dass Google die Scans vernichtet? Ich glaube es nicht.
Zurück zur personalisierten Suche: Auch wenn die Personalisierungsfunktion deaktiviert ist, ist nicht erwiesen, dass Google nicht tatsächlich alles mitloggt. Wer kanns überprüfen? Niemand, denn Google lässt sich nicht in die Karten schauen und beruft sich, sollte sich ein europäischer Datenschützer beschweren, auf amerikanisches Recht. Da die Daten in den USA gespeichert sind, könnten sie nicht verpflichtet werden, einen Blick in die Datensammlungen zu gewähren.
Warum Google nie die Wahrheit sagt: Am Such-System ist das Werbesystem AdWords (vierzeilige Wortanzeigen) gekoppelt, mit dem Google sein Geld verdient. Je genauer man seinen Kunden kennt, desto größer ist die Chance, dass jemand auf eine Anzeige klickt und/oder ein Produkt kauft.


