Gerald Reischl

9. Dezember 2009 – Ein sinnloser Kampf?

Heute habe ich mehrere eMails und Leserbriefe zur Google-Thematik erhalten. Drei will ich zur Diskussion stellen, weil sie meines Erachtens zeigen, dass Aufklärungsarbeit eine schwierige Aufgabe (siehe eMail 1)  aber nicht hoffnungslos (siehe eMails 2 + 3) ist:

Guten Tag, erstaunlich, wie viel Raum Ihnen der KURIER für Ihren jahrelangen, sinnlosen Kampf gegen Google zur Verfügung stellt. Ihre Artikel machen keinen Sinn aus mehreren Gründen:
1)       Sie werden Google nie daran hindern können, ihre Strategie zu ändern.
2)       Detto werden Sie den weltweiten Kundenzulauf zu Google nicht bremsen können.
3)       Sie zerbrechen sich den Kopf der User und warnen vor dem bösen großen Bruder. Aber sagen Sie mir (und Ihren Lesern) einmal konkret, wie Google mir schaden könnte. Selbst wenn sich jemand bei Google dafür interessieren sollte, womit sich  Otto H. aus Wien im Internet beschäftigt: Was zum Kuckuck sollten sie mit diesem Wissen zu meinem Schaden anrichten? Wenn Google hingegen die gespeicherten Daten lediglich dazu benützt, Informationen und Werbung auf meine Bedürfnisse „auszurichten“, dann kann ich damit leben. Andere tun das übrigens auch, z.B. Amazon. Und wen das stört, der braucht nur Yahoo anzuklicken -  so einfach ist das.

Mit freundlichen Grüßen OttoH.

Sehr geehrter Herr Reischl,

Mein Bravo zu Ihren Kommentaren vom 20. November und von heute, 9. Dezember, betreffend die Entwicklung des Konzerns Google. Nach meinem Wissensstand sind Sie dzt. der Einzige hier, der Google in Frage stellt und kritische Beiträge schreibt. Sie treffen damit meine Meinung punktgenau.

Mit freundlichen Grüßen,

Wolfgang O.

Sg Hr Reischl,

ich lese sehr gerne Ihre Kommentare zu Google und Co, und habe auch schon oft Tipps zu interessanten

Websiten bekommen und auch befolgt :-)

Meine Frage wäre nun, was Sie als alternative Suchmaschine zu Google verwenden.Wir haben es eine Zeitlang

mit ixquick.com versucht, aber sind darauf gekommen, dass Google die meisten Treffer anzeigt…deshalb verwenden

wir auch weiterhin Google, obwohl uns die Machenschaften dieses Konzerns eigentlich gegen den Strich gehen.

Vielleicht könnten Sie uns helfen, eine ordentliche Alternative zu finden??

Vielen lieben Dank,

Norbert S.

zu “Ein sinnloser Kampf?”

  1. 09.12.2009 - LD schreibt

    Hallo Gerald!

    Schöne Post hast Du da bekommen. Mit einem älteren Herrn Rechtsanwalt der Variante 1, der keine Ahnung von Informatik hat, durfte ich erst letzthin ein kurzes (weil sinnloses) Gespräch führen.

    Allen, denen nicht klar ist, warum Google & Co. für diese Welt ein Problem darstellen, sei die folgende Lektüre wärmstens empfohlen:

    Hans G. Zeger: “Mensch.Nummer.Datensatz: Unsere Lust an totaler Kontrolle”
    ISBN: 978-3701731022
    € 22.00, die in jedem Fall gut insvestiert sind.

    Trotz des ernsten und eher trockenen Themas ist das Buch nicht nur lehrsam sondern auch sehr unterhaltsam.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Levente

  2. 09.12.2009 - Georg Mahr schreibt

    Ich befürchte, es wird einfach keine Lösung geben für das “Problem”.

    Wichtiger ist dann schon der bewusste Umgang mit den diversen Services. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass man seine privaten Daten Dritten in die Hände gibt. Ob das jetzt der Bipa ist, der meine Kundenkarte hat, der Staat, der über mein Einkommen Bescheid weiß, oder Google, die wissen was ich im Internet ansehe, ist mMn gar nicht so wichtig.

  3. 09.12.2009 - Mario S. schreibt

    Guten Tag!
    Ich freue mich, einen kritischen und reflektierten Experten zum Thema Suchmaschinen gefunden zu haben. Kritischer Konsum ist ein eine überaus wichtige Sache, egal in welchem Bereich. Ich möchte gerne um Ihre Meinung zu den mir kürzlich bekannt gewordenen angeblich “korrekten” Suchmaschinen bitten:

    http://www.ecosia.org
    http://www.forestle.org

    Es heißt, hier werden erstens die Daten der Suchanfragen nicht gespeichert, und zweitens durch jede Suchanfrage wird Geld in Regenwaldprojekte investiert. Sind diese zwei Punkte ernst zu nehmen?

    Freundliche Grüße,
    Mario S.

  4. 09.12.2009 - Mario S. schreibt

    feedback zum blog:
    hier sind alle Einträge mit 9.12.2009 datiert

  5. 09.12.2009 - torsten schreibt

    Hallo Hr Reischl,

    großes lob zu dem tollen Buch. Es liefert mir immer wieder gute Argumente in den zahlreichen Diskussionen mit naiven Nutzern, die die Gefahren des ausufernden Datenmissbrauchs nicht sehen. Ich habe erst letzten Sommer wieder einmal den Klassiker 1984 von Orwell gelesen und muss immer wieder erschrecken, wie nah wir diesem Zustand gekommen sind.

    Btw.: eine gute Möglichkeit sich gegen die vielen Analyse-Skripte (google-analytics, etc.) haben Sie in Ihrem Buch vergessen zu erwähnen. Das Firefox-Plugin NoScript verhindert das Ausführen von Skripten und zeigt zudem welche Skripte auf welchen Seiten ausgeführt werden.

    Hochachtungsvoll

    Torsten H

  6. 09.12.2009 - Jose Tarodo Just schreibt

    Hi dear Gerald Reischl,

    i tried to contact you by googlefalle@googlefalle.com like you say in your book but wasnt possible.

    im spanish computer student who is finishing computers studies and making the
    “Career´s Finale Projetc” (thats the name in spanish–>english).

    Thanks to your great book “The google trap” im thinking about making my final
    job about your book and this google side.

    Im just asking now if you can help me with something like a small interview via
    email or telling me some webpages where i can found great info with this dark
    side of google :)

    Please could be a honor to put a small interview with you in my Project.

    Thank you very very much.

    Jose Tarodo Just

    jotajus@eui.upv.es

  7. 09.12.2009 - Heinrich Zürcher schreibt

    Sehr geehrter Herr Reichl

    Eigentlich muss dieses Mail nicht veröffentlicht werden.
    Mich beschägtigt nur die Frage: Welches sind sicherere Alternativen zu Google? Welchen Suchmaschinen vertrauen Sie?

    Mit freundlichem Gruss
    H. Zürcher

  8. 09.12.2009 - stereotyp schreibt

    Hey,

    als Antwort auf eMail Nr. 3:

    http://www.scroogle.org ist die von mir benutzte “Google-Variante”. Sie leitet die Suchanfragen an Google über zahlreiche Server weiter, womit unsere Suchanfragen nicht mit unserer IP in Verbindung gebracht werden kann.

    @ Mario S.

    Diese Suchmaschinen geben vor, den Regenwald zu schützen, aber wenn man sich dieses Millionen-schwere Unternehmen genauer ansieht, bleibt nicht mehr viel von dem “Saubermann-Image” bestehen. Abzocke würde es eher treffen.

    MfG

  9. 09.12.2009 - Jang schreibt

    Sehr geehrter Herr Reichl,
    ich höre momentan Ihr Buch die Google Falle als Hörbuch und finde es gut. Darin berichten Sie über den Dienst Google-Analytics und seine Gefahren. Sie sprachen von der Seite onTraxx die diesen Dienst aufdeckt.
    Ich habe die Seite Die Google Falle besucht, und habe den Link onTraxx angeklickt. Wenn man http://www.reischl.com eintippt bekommt man als Ergebnis das der Dienst Google Analytics auch von Ihnen verwendet wird.
    Wie darf mann das verstehen?

    Gruß Jang

  10. 09.12.2009 - reischl schreibt

    hallo herr jang,

    danke für ihr mail. ich weise auf der seite darauf hin, dass ich GA nutze. anbei die besagte passage, die man unter “über diesen blog” lesen kann:

    Wichtige Info:

    Auf dieser Seite verwende ich im übrigen “Google Analytics”, das kostenlose Webseiten-Analyse-Programm von Google. Nicht weil ich meine Besucher ausspionieren möchte, sondern weil ich diese Daten/Informationen für Demonstrationszwecke bei meinen Vorträgen über Google immer wieder als Beispiel heranziehe.

    mfg gerald reischl

  11. 09.12.2009 - Daniel Saner schreibt

    Vielleicht war es ein ungeschickt geführtes Interview, aber in der auf SWR.de ausgestrahlten Hörkolumne habe ich mich doch ob dem ausgeprägten fachlichen und logischen Nonsens amüsieren müssen.

    Google kommt nicht “wie ein Trojaner auf den PC, ob man will oder nicht”, und persönliche Daten werden grundsätzlich nur dann gesammelt wenn sie von den entsprechenden Benutzern auch zur Verfügung gestellt werden. Unumgänglich ist nur dass Google die IP-Adresse seiner Besucher erfährt. Wer weitere Daten über sich preisgibt tut dies aus freiem Willen und bewusst. Wenn sich daraus Probleme ergeben, ist das aufgrund mangelnder Medienkompetenz, und nicht Schuld der Unternehmen welche betreffenden Personen die Möglichkeit geben, ihren Selbstdarstellungszwang auszuleben. Dass das “Internet nichts vergisst” sollte sich inzwischen in den meisten Bevölkerungskreisen herumgesprochen haben, und das Datenschutzgesetz ist im Falle freiwillig preisgegebener Daten nicht anwendbar.

    Und wie soll es skandalös sein dass Google Maps kostenlos angeboten wird, und somit Navigationslösungs-Anbieter wie Garmin oder TomTom “leiden, Umsatz verlieren, […] zu Grund gehen und Arbeitsplätze vernichtet werden”? Dieses Konzept nennt man “freie Marktwirtschaft”, und es gibt einen Grund warum Desktop Publishing nicht verboten wurde um das Aussterben grosser Teilbereiche der Druckindustrie zu verhindern. Angebot, Nachfrage, Innovation, Fortschritt. Google veruntreut keine Steuergelder um seine Dienste zu unterhalten, sondern arbeitet unter den gleichen Bedingungen wie jedes andere Unternehmen; der Konzern hat dabei ein Geschäftsmodell entwickelt welches es ihm erlaubt, die enormen Ausgaben und Unterhaltskosten durch Werbung aufzuwiegen und die Dienste dem Kunden so (oberflächlich) kostenlos anzubieten. Wenn dieses Modell funktioniert und veraltete Geschäftsmodelle anderer Anbieter hinfällig macht, dann ist das kein unlauterer Wettbewerb. Wer überleben will muss am Ball bleiben, seine Modelle nötigenfalls überdenken und anpassen.

    Grosse Teile der Musikbranche tun sich schwer, genau dieses Konzept zu verstehen. Es wird gejammert und nach Staatsschutz geheult, während die Zeichen der Zeit konsequent ignoriert werden und man versucht, an längst nicht mehr gültigen Modellen festzuhalten. Zur gleichen Zeit freuen sich die kleinen, innovativen Musikverleger, springen in die Lücke welche die alten Titanen krampfhaft meiden, und graben ihnen stetig weitere Marktanteile ab. Das ist Fortschritt und Marktwirtschaft, und wenn dabei grosse, alteingesessene Konzerne Stellen abbauen müssen, dann ist das nicht auf unfaires Handeln der Konkurrenz zurückzuführen, sondern auf die Unfähigkeit der Führungsetage der betroffenen Unternehmen.

    Es gibt nun wirklich genügend gut fundierte Bedenken die man bei einem Konzern wie Google anbringen könnte ohne versuchen zu müssen, das Nullargument “böse weil erfolgreich” als sachlich zu verkleiden.

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